Das Problem...

Vor kurzem ging durch die Medien, dass für die digitale Schule ein Corona-Zuschuss von 150 € bezahlt würde. Diese Nachricht ist inzwischen etwas überholt - aber das Grundproblem bleibt, und hat uns dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie man für 150 € oder sogar weniger Geld einen vollwertigen Computer bekommen kann.

Die offensichtliche Lösung ist, gebrauchte, an anderen Stellen ausrangierte, Hardware wieder zu verwenden - aber das kann, wenn es nicht richtig gemacht wird, zu Problemen führen: Auf jedem Computer ist etwas anderes installiert, nicht jeder kann die gleiche Software einsetzen, und nicht jeder Experte kann Probleme mit allen so unterschiedlichen Geräten lösen. Auch sind nicht immer gebrauchte Geräte vorhanden.

Das Problem liegt teilweise auch darin, dass LehrerInnen und Eltern oftmals Wissen fehlt. Während Linux-Betriebssysteme und Open Source Software kostenlos verfügbar sind, wissen viele nicht, wie man diese Betriebssysteme selbst auf gebrauchten Computern installiert, wie man die Software installiert und es fehlt das Anwendungswissen für solche Betriebssysteme und Programme.

Die Lösung...

Sowohl aus Kosten- als auch aus Umweltgründen ist es sinnvoll, gebrauchte Hardware -- wenn vorhanden -- weiterzuverwenden. Außerdem wird - wenn gerade keine gebrauchte Hardware verfügbar ist - eine kostengünstige und trotzdem leistungsfähige Alternative zu einem traditionellen PC gebraucht. Traditionelle PC-Hardware gibt es nicht zu den benötigten Preisen - wir haben uns stattdessen für ARM-Prozessoren entschieden, wie sie z.B. in den meisten Smartphones verwendet werden. Es spricht nichts dagegen, diese auch in Laptops und Desktops einzusetzen, und das Preisziel kann hier erreicht werden (Prototypen vorhanden!). Außer gebrauchter Hardware und dem ARM-Laptop kann z.B. auch ein Raspberry Pi 3 oder 4 -Entwicklungsboard (ab ca. 35 € erhältlich) wie ein normaler Computer eingesetzt werden.

Wichtig ist, dass trotzdem alle Geräte gleich funktionieren, die gleichen Programme eingesetzt werden können, und jemand, der sich mit einem System auskennt, die Probleme aller Teilnehmer lösen kann: Gebraucht wird ein einheitliches, für den Schuleinsatz optimiertes Betriebssystem, das auf allen Geräten läuft und die besten Tools gleich mitbringt: altersgerechte Lernprogramme für alle Schularten (z.B. Farben lernen für Kitas, Rechnen, Lesen und Schreiben für die Grundschule, Vokabeltrainer, Physiksimulation, Taschenrechner, Programmiersprachen u. v. m. für weiterführende Schulen), Office-Paket, Bildbearbeitung, Musikprogramme, Internet-Browser, Email, Messenger, Videoplayer und -bearbeitung, usw. Eine erste Version, die sowohl auf dem ARM-Laptop als auch auf normalen PCs läuft, ist verfügbar.

Hierbei ist es aus vielen Gründen wichtig, ganz auf quelloffene (Open Source)-Software zu setzen, u.a.:

Weiter ist wichtig, dass das System auch für Benutzer ohne Linux-Erfahrung einfach zu bedienen ist.

Screenshot
Unsere Benutzeroberfläche in der Standardkonfiguration
Um es noch einfacher zu machen, haben wir ein Tool entwickelt, das die Benutzeroberfläche an alte Gewohnheiten anpasst - so kann das System mit wenigen Mausklicks so anpasst werden, dass sich jemand, der sich in der Windows- oder Apple-Welt auskennt sofort zurecht findet.
Screenshot Windows
Angepasste Oberfläche für Windows-Benutzer: Alphabetische Programmliste, Kacheln im Startmenü, gelbe Icons für Ordner, ...
Screenshot Apple
Angepasste Oberfläche für Apple-Benutzer: Menü am oberen Rand, Toolbar mit Icons, Panel unten, ...

So wird z.B. festgelegt, ob Menüs im Fenster (wie bei Windows) oder am oberen Bildrand (wie bei Apple) sind, ob Programme über ein Panel am unteren Bildrand oder ein Menü links oben gestartet werden, usw.

Durch eine schon ins System integrierte Version von Wine ist es auch weitgehend möglich, schon früher angeschaffte Windows-Software weiter zu verwenden.

Die Installation läuft weitgehend automatisch ab, so dass kein Vollprofi für die Installation benötigt wird - ein interessierter Lehrer, Schüler, Fachhändler oder Elternteil reicht.

Das System ist für alle Schüler von Kitas bis an Universitäten geeignet - keine "Hintertüren", um den z.B. den Verkauf anderer Modelle bei Schulwechsel o.ä. zu erzwingen

Neben den direkten Zielen für den Schuleinsatz werden auch die Probleme der Nachhaltigkeit (Weiterverwertung alter Hardware, sowie neue Hardware, die deutlich weniger Strom verbraucht als vergleichbare Geräte) und der digitalen Unabhängigkeit (keine Abhängigkeit von Chinesischen und Amerikanischen Großkonzernen - der Großteil der Software stammt aus Europa, und im Gegensatz zu Intel- und AMD-Prozessoren wurden sogar die ARM-Prozessoren in Europa entwickelt, Möglichkeit der Zusammenarbeit mit vielen regionalen Anbietern) gelöst.

Durch den konsequenten Einsatz von Open Source können Lehrer, ältere Schüler und regionale IT-Unternehmen in jedem Gebiet Support anbieten und an der Entwicklung teilnehmen. Weil alle Benutzererstellten Dateien auf einer getrennten Partition ("/home") liegen, kann das System notfalls weitgehend ohne Datenverlust neu installiert werden, wenn ein Problem auftritt, das ein Lehrer oder ein interessierter Schüler nicht selbst lösen kann.

Außerdem möchten wir in Kursen und über online-Tutorials an LehrerInnen, interessierte Eltern und SchülerInnen das nötige Basis-Wissen vermitteln, u.a.:

Prototyp

Prototypen von Software und Hardware sind vorhanden und einsatzbereit.

Ein Installationsimage für x86_64-Computer (Alpha-Version) steht hier zum kostenlosen Download (aktuelle Version: 4.2-20200730).

Zur Installation muss das Installationsimage auf ein USB-Flash Drive (o.ä.) kopiert werden. Dazu kann z.B. ROSA Image Writer benutzt werden.

Von dem so vorbereiteten Flash Drive kann der Computer starten - hierzu im BIOS-Setup das Flash Drive als Bootgerät auswählen und ggbf. Secure Boot ausschalten.

Weitere Schritte

Die Software ist schon relativ ausgereift, aber wird noch um zusätzliche Features erweitert (insbesondere im Grundschulbereich: Hier kommt noch eine Neuauflage des bewährten Kombipaket Grundschule, dann Open Source, dazu).

Hardwareseitig sind einzelne Exemplare der ARM-Laptops in 2 Größen vorhanden - außerdem verschiedene ältere Laptops und Desktops.

Eine Massenproduktion der Laptops ist möglich, wenn die Finanzierung dafür sichergestellt werden kann.

Wie man unschwer erkennen kann, brauchen wir noch einen (ehrenamtlichen) Designer -- bei Interesse bitte melden!

Kontakt: info at schullinux punkt de